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Kleine Helfer mit grosser Wirkung

Konferenz Mikrofone - Grundlagen verstehen

Wenn die eigene Stimme an ihre Grenzen kommt oder das menschliche Gehör nicht mehr ausreicht, dann kommen sie zum Einsatz: Die Rede ist von Mikrofonen. Auf der ganzen Welt stehen werden sie rege genutzt und schenken unserer Gesellschaft massenhaft Vorzüge, die weit über zusätzliche Dezibel der Stimme hinausgehen. Bei einer Anschaffung läuft man jedoch schnell Gefahr, sich im Dschungel an Modellen, Richtcharakteristiken, Funktionsweisen usw. zu verlaufen. Worauf es bei der Anschaffung und während der Nutzung von Mikrofonen wirklich ankommt, das lesen Sie in diesem Blogbeitrag. 

Vor fast 150 Jahren meldete der Erfinder Alexander Graham Bell ein Patent an, welches in seinen Grundzügen die Basis der heutigen Mikrofone darstellte - Bell kann so als Urvater des Mikrofons bezeichnet werden und als Wegbereiter einer der bedeutendsten technologischen Entwicklungen unserer Gesellschaft. Die Vorzüge des "Stimmverstärkers" waren schnell erkannt: So konnten rasch Menschenmassen mit klangvollen Reden begeistert oder auch der Charleston in die Beine Tanzbegeisterter während den Roaring Twenties gehaucht werden. Immer mehr Erfinder und Unternehmen nahmen sich der qualitativen Weiterentwicklung der Mikrofone an, was bis heute Grossunternehmen auf der ganzen Welt beschäftigt.

Wie unterscheiden sich Mikrofone?

Mikrofone unterscheiden sich in erster Linie in deren Funktionsweise, Schnittstellen (XLR, USB, Klinke und Funk) und vor allem Richtcharakteristik, welche sich grob in Kugelcharakteristik, Nierencharakteristik und Achtercharakteristik unterteilen - deren Einsatz variiert stark nach gewünschtem Anwendungszweck.

Ein Mikrofon mit einer Kugelcharakteristik («omnidirectional microphones») ist vergleichbar mit dem menschlichen Gehör. Die Schallwellen werden hierbei von allen Seiten gleichermassen aufgenommen und man hat so ein «Rundum-Gehör». Stellen wir uns eine typische Situation vor: Man ist draussen und die unterschiedlichsten Geräusche prasseln von verschiedenen Richtungen auf das Gehör ein: Die Baumaschine dröhnt von vorne, ein Helikopter rauscht im Tiefflug vorbei und von hinten ruft jemand noch Ihrem Namen - vermutlich nehmen Sie alle Geräusche gleichermassen auf. Nachteilig sind solche Mikrofone dann, wenn man beispielsweise in einem Raum gezielt eine Person aufnehmen möchte, sich im Raum aber noch weitere Geräuschquellen befinden. Ein Mikrofon mit Kugelcharakteristik kann keine gezielten Schallwellen herausfiltern. Wäre dies sinnvoll, so würde sich ein Mikrofon mit Nierencharakteristik («cardioid») oder Supernierencharakteristk («supercardioid») besser eignen, wo Schallwellen gezielt von vorne aufgenommen werden und das Mikrofon auf den Redner ausgerichtet ist. Man kennt die klassische Situation aus dem Fernsehen, wo der Tontechniker einer interviewten Person gezielt ein Mikrofon an einem Teleskopstab von oben her hinhält. Mikrofone mit Achtercharakteristik («bidirectional») werden in erster Linie von Bühnenprofis oder in der Musikbranche im Studio eingesetzt, wo man gezielt die Schallwellen von vorne und hinten aufnehmen möchte, jedoch keine von der Seite.  

Im Zusammenhang mit den Richtcharakteristiken ist auch der Nahbesprechungseffekt zu nennen, was vor allem bei Mikrofonen mit Achtercharakteristik vorhanden ist: Je näher man ein Mikrofon zur Schallquelle positioniert, umso stärker werden die Bässe. Hält man ein Mikrofon zu nahe am Mund, so können Bässe dominieren bis hin zur kompletten Unverständlichkeit. Bei Mikrofonen mit Nierencharakteristik ist der Nahbesprechungseffekt weniger ausgeprägt und bei denen mit Kugelcharakteristik überhaupt nicht mehr.

Welche Mikrofonarten gibt es?

Die Liste an Mikrofonmodellen scheint unendlich lang zu sein. Je nach Anwendungszweck und Klangqualität greift man heute auf bestimmte Modelle zurück: So kennt man von Vorträgen die klassischen Nackenbügelmikrofone, die den Moderatoren Armfreiheit schenken oder die Ansteckmikrofone (Lavaliermikrofon), die einfach an einem Kragen oder an der Krawatte befestigt werden. In der Musikbranche greift man gerne auf Kondensatormikrofone (Condenser Microphones) zurück, die in Gross- und Kleinmembran Mikrofone unterteilt werden – deren Unterschied liegt in erster Linie in der Klangqualität und im Durchmesser der Membran: Beträgt dieser mehr als 2,54 cm (1 Zoll), so spricht man hier von einer Grossmembran, liegt dieser unter 2,54 cm, dann ist es ein Kleinmembran-Mikrofon. Wünscht man sich einen natürlichen Klang, so drängt sich hierbei eher die Verwendung von einem Kleinmembran-Mikrofon auf. Hält ein Moderator ein allseits bekanntes Mikrofon in der Hand, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sicher hierbei um ein dynamisches Mikrofon handelt. Diese lassen sich ebenfalls weiter unterteilen: In 95 Prozent der Fälle ist es ein Tauchspulenmikrofon, wo die Membran an einer Spule befestigt ist, die sich in einem Magnetfeld bewegt und durch die erzeugten Schallwellen die Membran im Rhythmus mitschwingt. In die Kategorie der dynamischen Mikrofone fallen auch die sogenannten Bändchenmikrofone, die über keine Spule verfügen, sondern wie der Name schon sagt, über ein Bändchen aus Aluminium. Leider verfügen die Bändchenmikrofone über einen geringen Ausgangspegel, weshalb der Einsatz eines Verstärkers unumgänglich ist.

Bei Videokonferenzen ist die Klangqualität nicht weniger wichtig. Oft werden wichtige Besprechungen vorzeitig abgebrochen, weil die Ton- und/oder Bildqualität schlecht ist. Um unangenehme Situationen zu vermeiden, setzt man idealerweise ein qualitativ hochwertiges Grenzflächenmikrofon ein, welche über eine Rundcharakteristik verfügt und die Schallwellen von allen Teilnehmenden am Tisch gleichermassen aufnimmt. Je nach Raumgrösse und Kapazitätsbelegung kann man sich auch für ein Grenzflächenmikrofone an der Decke oder Wand entscheiden. Bei der Nutzung von Grenzflächenmikrofonen gibt es allerdings einige Regeln zu beachten, um keine Störgeräusche zu verursachen. Hier finden Sie weiterführende Tipps dazu: https://youtu.be/MXLKj7V2jHg.

Wie nutzt man ein Mikrofon richtig?

Die Nutzung von einem Mikrofon hängt sehr stark vom Anwendungszweck und der Richtcharakteristik ab. Bei einem Nackenbügelmikrofon hat man eine Nierencharakteristik, wo die Schallwellen direkt von den Lippen abgenommen werden – gleich wie bei einem Handmikrofon. Dabei ist es wichtig, dass das Mikrofon relativ nahe an den Lippen platziert wird. Bei einem Nackenbügelmikrofon im Idealfall ca. 2-3 cm (eine Fingerbreite) vom Mundwinkel und nicht direkt am Wangenknochen oder gar unten beim Kinn. Handmikrofone bei Vorträgen werden gerne senkrecht oder auf Brusthöhe gehalten, wobei in solchen Fällen die Schallwellen nicht ideal empfangen werden. Hält man ein Handmikrofon im 45 Grad Winkel und mit einem Abstand von ca. 15 – 20 cm zu den Lippen, so erzielt man einen optimalen Klang. In der Musikbranche ist dies leicht anders: Je nachdem, ob man sich einen natürlichen oder robusten Klang wünscht mit mehr oder weniger betonten Bässen, so platziert man das Mikrofon näher oder weiter weg von den Lippen.

Was geschieht, wenn man ein Mikrofon falsch einsetzt?

Hält man ein Handmikrofon immer weiter weg vom Mund, so wird man immer leiser gehört und somit auch schlechter verstanden. Deshalb ist es bei Handmikrofonen wichtig, den Abstand zum Mund immer in etwas gleich zu belassen und während der Rede etc. auf die Haltung zu achten. Folgende Situation ist auch keine Ausnahme: Bei einer Online-Videokonferenz, wo Teilnehmende Headsets mit Mikrofonen tragen (gehört auch in die Kategorie der Nackenmikrofone) oder an einer Podiumsdiskussion hört man störende Windgeräusche. Diese entstehen, wenn ein Nackenbügelmikrofon in einer schlechten Position angebracht wird, zum Beispiel zu nahe an der Nase, und entsprechend beim Ein- und Ausatmen Windgeräusche erzeugt werden. Dem kann man entgegenwirken, indem man einen sogenannten Popschutz anbringt – die lästigen «Popp»-Geräusche können reduziert werden, welche unter anderem beim Ausatmen entstehen oder auch bei gewissen Konsonanten wie «B», «P» oder «Z». Diese Spitzengeräusche werden gerne von den Mikrofonen übersteuert, was sich jeweils in einem unangenehmen Knackgeräusch äussert. Ein Poppschirm ist nichts anderes als ein Schaumstoffüberzog für das Mikrofon, deren Anwendung findet sich vor allem im Aussenbereich wie zum Beispiel an Konzerten. Im Outdoor-Bereich wird gerne ein Windschutz eingesetzt, meistens als Wollknäuel artige Überzüge erkennbar, welche der Meteorologe sich bei Wind und Sturm ins Gesicht flattern lässt.

Was kann man tun, wenn das Mikrofon nicht funktioniert?

Jedes Mikrofon hat in der Regel einen sogenannten «Mute»-Button, welcher aktiv ist und meistens rot leuchtet. Bei einem Handmikrofon hat man eine Taste und wenn diese rot leuchtet, dann empfiehlt es sich kurz darauf zu drücken da es so wieder freigegeben wird. Bei einem Nackenbügelmikrofon hat man meistens eine abgesetzte Einheit, die man zum Beispiel am Hosenbund befestigt oder bei den Damen öfters auch hinten am Rücken am Büstenhalter – auch da gibt es meistens einen kleinen Schalter, womit das Mikrofon gemutet werden kann. Jedes Mikrofon hat auch einen Akku, der unter Umständen auch mal schwach oder leer sein kann. Somit empfiehlt es sich vor der Nutzung eines Handmikrofons ein kurzer Blick auf den Akkustand und nötigenfalls der Griff zu einem Ersatzmikrofon.

Was für Technik ist in einem Mikrofon verbaut?

In jüngster Zeit hat vor allem die digitale Verarbeitung den technologischen Wandel der Mikrofone beeinflusst: Es gibt nebst einem sogenannten Noise Cancelling, womit man störende Nebengeräusche herausfiltern oder «Spitzen» absenken kann auch eine massive bessere, digitale Übertragungsqualität. Das BAKOM muss hierfür die Frequenzen freigeben. In diesem Zusammenhang drängt sich auch die Prüfung von meist auch älteren Mikrofonen auf da diese gerne in Frequenzen senden, welche mittlerweile verboten sind. Seitens BAKOM gibt es klare Frequenzbereiche, die von öffentlichen Institutionen, Konzerten, Meetings, Anlässen etc. genutzt werden dürfen.

Was kostet ein Mikrofon?

Je nach Anwendungsbereich gibt es unzählige Modelle und auch entsprechend Preisspannen. Bei einem Funkmikrofon ist zum Beispiel nicht nur das Mikrofon dabei, sondern auch eine modulare Basis, resp. der Empfänger – hierbei muss man für ein qualitativ anständiges Modell komplett mit ca. CHF 600.- rechnen. Bei Nackenbügelmikrofonen hat der Einsatzbereich auch einen grossen Einfluss auf den Preis. So gibt es auch unzählige Modelle auch explizit für den Sportbereich, wo das Mikrofon wasserfest ist. Je spezifischer ein Mikrofon, umso teurer.

Wie pflegt man ein Mikrofon?

Ein Mikrofon bedarf keiner spezifischen Pflege aber einer gewissen Aufmerksamkeit. Vor allem Mikrofone, die nicht wasserfest sind und keinen Poppschutz haben, sind anfällig gegen Wasser. Die Elektronik liegt direkt unter der Aufnahme, weshalb man das Mikrofon nicht mit Reinigungsmitteln oder von Feuchtigkeit triefenden Putzlappen gereinigt werden sollten. Es empfiehlt sich eher die Verwendung von einem Poppschutz, die bereits für wenige Franken erhältlich sind und diese von Zeit zu Zeit zu wechseln.

Fazit

Sehr verlockend wirkt die schier unendlich wirkende Auswahl an Mikrofonen allemal - doch umso mehr ist es unumgänglich, sich vor einer allfälligen Beschaffung weiterführende Gedanken zu machen damit auch das richtige Mikrofon seinen Einsatz findet. Schnell haben sonst mehrere hundert Franken ihren Besitzer gewechselt, ohne dass der eigentliche Sinn und Zweck der Anschaffung erfüllt wird. Wir empfehlen generell die Konsultation von Fachgeschäften und Experten: Das Medientechnik-Team der EOTEC hilft Ihnen in diesem Zusammenhang auch sehr gerne weiter.